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Mai 2017

Donum Vitae und Reproduktionsmediziner ärgern sich

"Das ist diffamierend"
Eine Stellungnahme von DONUM VITAE Amberg

Heute endet die Woche für das Leben, ausgerufen von den beiden großen christlichen Kirchen. Heuer stehen Zeugung und Geburt im Mittelpunkt.

Thematisiert werden auch künstliche Befruchtung und Social Freezing.

Der Grundsatzbeitrag eines Moraltheologen zu diesem Thema ärgert Dr. Jürgen Krieg maßlos.

Dr. Jürgen Krieg ist erbost, um seine Gefühlslage mal vorsichtig auszudrücken.

Seit ihm ein Grundsatzbeitrag des emeritierten Moraltheologen Professor Dr. Johannes Reiter aus Mainz in die Hände gefallen ist, ist er ziemlich sauer. Vor allem stört ihn eines:

Weder ein Reproduktionsmediziner noch ein betroffenes Paar, das sich einer Kinderwunschbehandlung unterzogen hat, kommen im Themenheft zu Wort.

Neben dem Grundsatzbeitrag des Moraltheologen gibt es Interviews mit einem Pränataldiagnostiker und der Leiterin einer Schwangerschaftsberatungsstelle.

Er fragt sich, warum ein emeritierter Moraltheologe dazu einen Grundsatzbeitrag schreibt.

"Dass er keine Ahnung von Medizin hat, ärgert mich noch mehr." Auch die Vertreterinnen von Donum Vitae, die Bevollmächtigten Michaela Mußemann und Christine Seidel, sowie Beratungsstellenleiterin Hilde Forst, können vieles in dem Beitrag nicht nachvollziehen.

Sie wissen, mit welchem psychischen Leid Menschen mit einem unerfüllten Kinderwunsch leben müssen. "Man kann sich alles ausreden, nur nicht einen Kinderwunsch", sagt Seidel.

Besonders krass findet Mußemann Reiters Behauptung, moderne Fortpflanzungsmedizin schaffe mehr Probleme als sie löse. "Wenn Paare mit unerfülltem Kinderwunsch das lesen, ist das schlimm für sie", sagt Mußemann. Genau aus diesem Grund ärgert es Krieg, dass keine Betroffenen zu Wort kommen. "Man gibt ihnen nicht die Möglichkeit, dazu was zu sagen."

Es gibt keine Garantie
Moraltheologe Reiter zweifelt in seinem Beitrag den Erfolg von Kinderwunschbehandlung an, spricht laut Krieg von einem Nutzen von "nur 20 Prozent". Krieg nennt eine Zahl aus seiner Praxis: "70 Prozent unserer Kinderwunsch-Paare haben hinterher ein Kind." Natürlich gebe es keine Garantie, durch die medizinische Behandlung Nachwuchs zu bekommen, wirft Hilde Forst ein. Deshalb sei die Beratung und Begleitung der Paare umso wichtiger.

Sie befürchtet, Aussagen wie die von Reiter könnten dazu führen, dass viele sagen, "sie können die Kirche nicht mehr ernst nehmen". Scharf wendet sich Reiter gegen Gebärmuttertransplantationen. Auch das macht Jürgen Krieg wütend. "Wie kommt ein Moraltheologe dazu, dies den Frauen zu verwehren?", fragt er sich. "Möchte er auch sonstige Transplantationen nur bei Lebensgefahr zulassen?" Wenn Reiter diese ins Verhältnis zum "angestrebten Nutzen, dem Erleben einer eigenen Schwangerschaft", setze, sei dies zutiefst verletzend und diffamierend. "Wie kann sich jemand erlauben, den Stellenwert eines eigenen Kindes für ein einzelnes Paar zu beurteilen?", empört sich Krieg.

Reiter sieht in seinem Beitrag zudem die Gefahr einer Optimierung des Menschen, also dass es zunehmend möglich sei, die Eigenschaften der Kinder auszuwählen und weitgehend zu bestimmen. "Daran denkt kein betroffenes Paar. Es wünscht sich einfach nur ein Kind", sagt Christine Seidel.

Krieg wirft dem emeritierten Universitätsprofessor vor, er beschränke seine Moral nur auf die geschlechtliche Vereinigung. Dieser Akt werde über alles andere gestellt. Auch wenn jemand nicht der biologische Vater sei, könne er das Kind in Liebe annehmen, betonen alle.

Kritik äußert der Mainzer Theologe auch am Social Freezing, also dem Einfrieren von Eizellen. "Apple und Facebook beteiligen sich an den Kosten, damit ihre Mitarbeiterinnen entspannter ihre Karriere planen können", schrieb Reiter in seinem Grundsatzpapier.

Jürgen Krieg kennt ein anderes Beispiel aus seiner Praxis: Eine junge Frau muss sich einer Chemotherapie unterziehen. Lässt sie zuvor Eizellen einfrieren, könne sie nach erfolgter Krebsbehandlung noch schwanger werden. "Will man ihr verwehren, später Mutter zu werden, nur weil sie jetzt erkrankt ist?", fragt sich Krieg.


Verständnis für Betroffene
Sowohl Krieg als auch die Vertreterinnen von Donum Vitae werben um Verständnis für Paare, die ungewollt kinderlos sind und moderne Medizin nutzen, um doch noch ihren Wunsch nach einer Familie realisieren zu können. "Diesen Menschen Selbstsucht und ignorantes Verhalten vorzuwerfen, ist unerträglich und unfassbar", empört sich Jürgen Krieg.

Hilfe und Beratung

Auf die Beratung und die Hilfe kommt es an: Da sind sich Reproduktionsmediziner Dr. Jürgen Krieg vom Kinderwunschzentrum und die Vertreterinnen von Donum Vitae einig. Deshalb haben sie das Projekt Sara ins Leben gerufen. Dieses gibt es seit 2008. Hilde Forst, die bei Donum Vitae die Beratungsstelle leitet, sieht einen erheblichen Bedarf an psychosozialer Beratung bei den Betroffenen. Dies sei eine wichtige Ergänzung zu ärztlicher Beratung und Kinderwunschbehandlung. Es gehe darum, Paaren bei der Entscheidungsfindung zu helfen, ihnen Informationen zu geben und ihnen in Krisensituationen Hilfestellungen zu bieten. "Das ist wichtig, dass die Paare nicht blauäugig in eine Kinderwunschbehandlung reingehen", unterstreicht Krieg.

Das Angebot des Sara-Projekts umfasst die Beratung vor beziehungsweise unabhängig von einer Kinderwunschbehandlung, während der medizinischen Behandlung und danach - ob sie nun erfolgreich war oder nicht. Gleiches gilt für Dr. Krieg für Paare, die sich für eine Samenspende entscheiden. "Ihnen muss klar sein, dass dies immer in ihr Leben, in ihre Familie reinwirken wird." Beratung und Begleitung seien auch da immens wichtig. Er lobt den Einsatz von Donum Vitae: "Dort wird hervorragende Arbeit geleistet. "Ich bin froh, dass es Donum Vitae in Amberg gibt, und die Verantwortlichen den Mut haben, die Menschen zu beraten und begleiten, ohne ihnen Entscheidungen vorgeben zu wollen." Michaela Mußemann, eine der Bevollmächtigten von Donum Vitae, spricht von einer "entscheidungsoffenen Beratung". (san)

Von In-vitro-Fertilisation bis Sozial FreezingIn-vitro-Fertilisation
In-vitro-Fertilisation ist, wenn im Labor Ei- und Samenzelle zusammengeführt werden, um einen befruchteten Embryo zu erhalten. Dieser wird dann in der Gebärmutter der Frau eingesetzt.

Heterologe Insemination
Unter diesem Begriff ist eine Samenspende zu verstehen. Dabei wird die Eizelle der Frau mit dem Samen eines fremden, zeugungsfähigen Mannes befruchtet.

Präimplantationsdiagnostik
Dieses Verfahren bezeichnet eine Diagnose an Embryonen, die durch künstliche Befruchtung oder Spermieninjektion gewonnen wurden. Untersucht wird das Erbgut von Zellen eines mehrere Tage alten Embryos auf Chromosomenanomalien, bevor der Embryo in die Gebärmutter übertragen wird. Auch Untersuchungen, ob eine Behinderung vorliegt, sind dadurch möglich.

Social Freezing
Unbefruchtete Eizellen werden eingefroren, um eine spätere Schwangerschaft zu ermöglichen. Die Eizellen-Konservierung ist auch eine Chance für krebskranke Frauen, nach einer Chemotherapie oder einer Bestrahlung doch noch Mutter werden zu können. (san)