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November 2014

Wenn Kinder zu Müttern werden

Zur Schwangerenberatung kommen immer wieder Minderjährige.
Die jungen Väter interessieren sich oft nicht.

In diesem Jahr waren acht junge Frauen unter 18 Jahren bei der Beratung.

Beim ersten Mal passiert so was nicht. Da passiert es nicht, dass man schwanger wird. Bei Fabienne, Laura, Lisa und Stephanie ist es eben doch passiert. Sie waren 14, als sie schwanger wurden. Über diese vier Mädchen hat die Berliner Regisseurin Cornelia Grünberg einen Langzeit-Dokumentarfilm gedreht. „14“ hieß der erste Teil, in dem zu sehen war, was es für diese jungen Frauen bedeutete, plötzlich ein Baby zu bekommen. Am kommenden Dienstag wird im Thalia-Kino in Augsburg der zweite Teil des Films gezeigt. Er heißt „18“ und begleitet die Mädchen dabei, wie sie erwachsen und ihre Kinder größer werden. Der Dokumentarfilm wird in Zusammenarbeit mit der Schwangerenberatungsstelle Donum Vitae in Augsburg gezeigt. Dass Teenager schwanger werden, kommt immer wieder vor, weiß Susanne Gastl, Schwangerenberaterin bei Donum Vitae. In diesem Jahr waren acht junge Frauen unter 18 Jahren bei der Beratung. „Wir alle denken, die jungen Leute seien aufgeklärt“, sagt Gastl, „dabei fehlt es an so viel Kenntnis.“ Mit 14 Jahren wisse ein Mädchen oft gar nicht, wie es in eine solche Situation geraten ist. „Sie kann nicht Nein, nicht Ja sagen, hat noch nicht die Dimensionen ihres Handels im Blick.“ Es ist, als ließe man eine 14-Jährige Auto fahren, vergleicht Gastl. Deshalb gehen die Berater von Donum Vitae in die Schulen, um aufzuklären. Die Filmdoku wird auch vor Schülern gezeigt. Aufklärung heißt auch, mit Mythen aufzuräumen. Etwa die Vorstellung, dass beim ersten Mal nichts passieren kann. Oder dass der Freund sagt: „Ich pass’ schon auf.“ Es passiert dann doch.

 

Wer unterstützt mich?

 

Bei so jungen Mädchen könne es auch sein, dass sie selbst ihre Schwangerschaft zunächst nicht bemerken, so Gastl. Da ist es die Mutter oder die Sportlehrerin, die das Mädchen anspricht, etwa weil es einen Bauch bekommt. Am Anfang sind es viele Fragen und Zweifel, die das Mädchen umtreiben: Wie kann das in Zukunft gehen mit dem Baby? Wer unterstützt mich?Die jungen Väter würden meist aus ihrer Verantwortung entlassen, so Gastl. Früher sei klar gewesen, dass der Vater des Kindes in die Pflicht genommen wird. Heute, so Gastl, stelle sie einen Wertewandel fest. Typisch sei als erste Reaktion der Männer, dass sie ihre Vaterschaft in Zweifel ziehen, nach dem Motto: „Wenn der Vaterschaftstest ergibt, dass ich der Vater bin, dann liebe ich dich.“ Das gebe zu denken. Dabei schaffen es so junge Mütter nicht alleine mit dem Kind. In der Regel sind es deren Mütter oder Familien, die die Mädchen unterstützen. Auch wenn die Eltern in dem Augenblick, in dem sie von der Schwangerschaft erfahren, alles andere als erfreut sind. „Wenn Ihr es Euren Eltern sagt“, bereitet Susanne Gastl die Mädchen darauf vor, „dann werden sie vielleicht Dinge sagen, die sie später bereuen.“ Meistens heiße es am Ende dann doch: „Ist zwar blöd gelaufen, aber wir schaffen das miteinander.“

Der Dokumentarfilm„18“ läuft am Dienstag, 18. November, 19 Uhr, im Kino Thalia.

Die Regisseurin Cornelia Grünberg wird anwesend sein.

Das Langzeitprojekt heißt 14/18/24.

 

Augsburger Allgemeine, Gerlinde Knoller